Ulrich Rudolph, Kunstwissenschaftler
Katalogtext: „Norddeutsch“ Kunst heute zwischen Weser und Warnow
2015
Kunstraum Testorf

 

„ich bin stolz ein Maler zu sein“ verkündet Ingmar Bruhn als Einführung eines kleinen Kataloges, der einige seiner unbetitelten Malereien und Zeichnungen abbildet, hauptsächlich solchen mit Darstellung von Schweinen, Schäferhunden oder röhrenden Hirschen. Der deutsche oder Bundesadler, man könnte auch Geier sagen, und auch die Eule bzw. der Naturschutz-Uhu sind hier hinzuzuzählen - und ganz große Tiere wie Erich Honecker und Karl Marx, anderes wie z.B. Bilder zur „Werbewelt“ auch.

Klar sein dürfte, dass Ingmar Bruhn nicht als Tiermaler in die Geschichte eingehen wird, wohl aber, wie ich meine und überzeugt bin, als deutscher Ikonenmaler oder Maler deutscher Ikonen, ob er nun will oder nicht. Tatsächlich sehe ich momentan keinen anderen, der vordergründig eine so gute, subtile und bedachtsam im Sinnlichen wie in der Abstraktion aufgehende Malkultur pflegt und mit ihren bewahrten Gegenständen gleichzeitig einen so hintergründig gnadenlosen Kampf gegen den unselig konsumorientierten Zeitgeist und einen historisch tief verwurzelten wie folgenreichen kleinbürgerlichen Ungeist führt.